Gedanken zur Jahreslosung 2025 (von Philipp Hassel)
Die neue Jahreslosung kommt aus 1Thes 5:21 und lautet:
"Prüft alles, und das Gute behaltet."
Lasst uns zuerst einen Blick auf den Kontext werfen, damit wir nicht völlig am Sinn dieses Verses vorbeischlittern. Wir befinden uns am Schluss des ersten Thessalonicherbriefes – Paulus will den Thessalonichern hier noch einmal kompakt einige wichtige Dinge mitgeben, und die diesjährige Jahreslosung ist einer dieser Ratschläge (1Thes 5).
In den Versen 16 bis 22 lesen wir:
16 Seid allezeit fröhlich, 17 betet ohne Unterlass, 18 seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. 19 Den Geist dämpft nicht.
20 Prophetische Rede verachtet nicht.
21 Prüft aber alles und das Gute behaltet.
22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.
Besonders von Relevanz sind für uns die Verse 19 bis 21, denn unser Vers 21 baut auf den beiden vorigen Versen auf. Paulus spricht hier davon, dass die Thessalonicher den Geist nicht dämpfen, also abschwächen sollen. Direkt im Anschluss ermahnt er sie, prophetische Rede nicht zu verachten. Es ist also sehr naheliegend, dass diese beiden Verse zusammenhängen. Wer prophetische Rede verachtet, der schwächt damit den Geist ab (Eph 4:30).
Hier könnten deine Alarmglocken läuten. Vielleicht denkst du beim Begriff „Prophetische Rede" an Menschen, die zu wissen meinen, an welchem Datum Jesus wiederkommt (Mt 24:36), oder die ständig meinen, Gott habe ihnen persönlich eine Privatoffenbarung geschenkt, die sie mit den Worten „So spricht der Herr" einleiten sollen. So etwas wie zum Beispiel: „So spricht der Herr, du sollst meine Frau werden". Ja – man kann den Namen Gottes auch auf solch eine Weise missbrauchen (2Mo 20:7), aber das ist nicht das, wovon der Text spricht.
Prophetische Rede ist in der Bibel zunächst einmal die Weitergabe von Gottes Wort (2Petr 1:21). Das haben Propheten wie Jesaja oder Hesekiel getan – sie haben Gottes Wort tatsächlich als persönliche Offenbarung erhalten (Hebr 1:1), und diese waren von einer solchen allgemeinen Relevanz, dass wir sie heute in der Bibel lesen können (2Tim 3:16). Aber auch Prediger, die uns in diesen Tagen das Wort Gottes weitergeben, ganz ohne spezielle Privatoffenbarung, tun dies einfach, indem sie uns Gottes Wort aus der Bibel sagen und auslegen (2Tim 4:2).
Wer das also verachtet, der schwächt damit Gottes Geist ab und nimmt sich damit Segen (Eph 4:30). Es ist logisch: Wenn ich nicht auf Gottes Wort hören will, das ja gut und segensreich ist (Ps 19:8-11), dann nehme ich mir damit diese Segnungen, die ich dadurch haben könnte. Gleichzeitig schwäche ich damit Gottes Geist ab, weil ich Gottes Wort, das mich verändern könnte (2Tim 3:16-17), ablehne.
Wenn jemand prophetisch redet, also Gottes Wort predigt (1Kor 14:3 / Apg 2:42), dann sollten wir es nicht verachten, sondern darauf hören und es beachten (1Thes 2:13). Aber das ist noch nicht alles – kommen wir zur neuen Jahreslosung:
Prüft aber alles und das Gute behaltet.
Dieser Schritt ist unerlässlich. Es ist wichtig, dass wir die Verkündigung von Gottes Wort nicht einfach ignorieren oder ablehnen, aber es ist auch wichtig, dass wir sie nicht einfach völlig unkritisch aufnehmen (Apg 17:11). Ja - das Wort Gottes ist vollkommen, es ist von ihm inspiriert und versorgt uns mit allem, was wir als Christen brauchen, um unserem Herrn Jesus ähnlicher zu werden und um im Gehorsam zu ihm zu leben. Aber: Nicht jede Auslegung ist korrekt. Nicht jeder Lehrer ist ein guter Lehrer, der gesunde Lehre predigt (2Petr 2:1). Es gibt auch Irrlehrer, die einen in die Irre führen, wenn man ihre Lehre einfach übernimmt (Mt 7:15 / 1Jo 4:1).
Deswegen ist es Paulus so wichtig, den Thessalonichern zu sagen, dass sie die Lehre unbedingt prüfen sollen und dass sie nur das Gute behalten sollen. Das gilt natürlich auch für uns. Wir müssen zwischen guter und vergifteter Nahrung unterscheiden, und das können wir, indem wir alles am inspirierten Wort Gottes, an der Bibel prüfen. Um das tun zu können, brauchen wir eine gewisse geistliche Reife einerseits und eine gewisse Bibelkenntnis andererseits (Hebr 5:14). Solange wir das nicht haben, müssen wir uns eine vertrauenswürdige Person suchen, zum Beispiel jemanden aus unserer Gemeinde, der schon lange Christ ist, die Bibel kennt und gut darin ist, biblische Wahrheiten zu erklären (Tit 2:7-8).
Dabei haben wir aber noch ein Problem – woher weiß ich, wenn ich selbst noch nicht so viel Ahnung habe, wem ich vertrauen kann?
Diese Frage hat Jesus direkt beantwortet. InMt 7:15-17sagt er:
“Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. 16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte.”
Jemand, der auf einem guten Weg unterwegs ist und Gottes Wort so versteht, lebt und lehrt, wie es Gott gefällt, der wird auch gute Frucht bringen (Joh 15:8 / Mt 7:17). Diese besteht laut Gal 5:22-23 in Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit. Wenn man diese Eigenschaften bei jemandem sieht, dann ist das ein guter Indikator dafür, dass diese Person eine gute und echte Beziehung zu Jesus lebt (Joh 13:35), und dann kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass diese Person keine schlimmen Irrlehren bringen wird (1Joh 4:1-3). Trotzdem gilt auch hier, dass es gut ist, wenn wir auch die Aussagen von solchen Menschen überprüfen (Apg 17:11).
Prediger, denen es ein Anliegen ist, das Wort Gottes unverfälscht weiterzugeben, werden nichts dagegen haben, wenn ihre Aussagen am Wort Gottes überprüft werden. Sie werden auch nichts dagegen haben, wenn sie gefragt werden: „Deine Aussage hat mich erstaunt. Kannst du mir anhand der Bibel zeigen, wie du darauf kommst?“ Authentische Prediger werden das dann auch erklären können. Wenn ihre Aussage wahr ist, dann wird es nicht schwer sein, diese mit der Bibel zu belegen. Wenn sie falsch ist, dann wird das sehr schwierig und sehr wackelig und wenig überzeugend. In jedem Fall aber wird es uns reifer und mündiger machen, Aussagen zu überprüfen und nachzuforschen, ob es denn wirklich so ist, wie es jemand behauptet hat.
Wenn eine Aussage wahr ist, dann weißt du nach der Überprüfung auch ganz sicher, dass und wieso es so ist (Joh 8:32 / 1Joh 4:1). Und wenn sie falsch ist, dann wirst du auch das feststellen und wirst durch die Überprüfung erfahren, wie es wirklich ist, und davor bewahrt, Lügen zu glauben Eph 6:14).
Prüfen lohnt sich also immer (Ps 119:105).
In Bezug auf biblische Lehre, auf Fragen des Glaubens, gilt also, dass wir alles prüfen sollten. Dadurch erkennen wir, was gut und was schlecht ist. Das Gute sollten wir behalten, das Schlechte dagegen müssen wir ablehnen (Röm 12:9) – wenn wir das alles tun, wenn wir Gottes Wort achten, Predigten überprüfen und nur das Gute behalten, dann wird unser Glaube auf eine gute und gesunde Weise wachsen und gedeihen und das wird Früchte in unserem Leben haben.
Dieses Prinzip, alles zu prüfen und nur das Gute zu behalten, lässt sich auch auf andere Bereiche unseres Lebens anwenden. Und das ist eine super Sache, wenn du Jesus ähnlicher werden möchtest. Denn es geht ja nicht nur darum, dass wir die Bibel richtig verstehen. Ja, es ist gut und schön zu wissen, wie Offenbarung 8 zu verstehen ist, aber ein Glaube, der sich nicht in unserem Leben bemerkbar macht, ist ein toter Glaube.
Es geht darum, dass wir die Bibel verstehen und entsprechend handeln. In Fragen der Bibelauslegung gibt es meist eine recht klare Trennung zwischen guter und schlechter Lehre. Wenn der eine sagt, dass Jesus gekommen ist, um Sünder zu retten, während der andere behauptet, dass Jesus nur ein Sozialreformer war, dann ist klar, was wir davon glauben und was wir nicht glauben sollten.
Aber im Leben ist das oft nicht so einfach.
Ist es falsch, als Christ in eine Bar oder in einen Club zu gehen? Das kann man schlecht allgemein beantworten, das kommt auf viele Faktoren an.
Ist es falsch, wenn ich heute Abend mit meinen Freunden einen Film schaue? Kommt auf den Film an, aber prinzipiell ist daran nichts Falsches oder Böses.
Ist es falsch, viel Sport zu machen und sich dabei in einem Sportverein zu engagieren? Das kann man auch nicht so pauschal sagen.
Und so gibt es vieles, wo nicht einfach klar ist, dass es falsch und schlecht ist, auch wenn man die Bibel gut kennt und nach ihr leben will.
Manches sollte klar sein: Man muss nicht Theologe sein, um zu wissen, dass es falsch ist, Pornos zu schauen, andere zu beklauen oder zu betrügen. Aber das Leben besteht eben größtenteils aus anderen Dingen, die nicht so klar zu bewerten sind.
Hier kann uns die neue Jahreslosung eine enorme Hilfe sein: "Prüft alles und behaltet das Gute".
Da steht nicht "Prüft alles und verwerft das Schlechte", sondern wir werden ganz klar aufgefordert, das Gute zu behalten (Röm 12:9). Das heißt, die Frage "Darf ich als Christ ...?" ist prinzipiell die falsche Frage. "Darf ich als Christ im selben Bett wie meine Freundin schlafen, wenn nichts passiert?", "Darf ich als Christ feiern gehen und Alkohol trinken?", all das ist der falsche Ansatz (1Kor 10:23). Stattdessen sollten wir uns fragen: "Ist es gut, im selben Bett wie meine Freundin zu schlafen, auch wenn wir beide die besten Absichten haben?" (1Thes 4:3-5), "Ist es gut, feiern zu gehen und sich mit Alkohol zu betäuben?" (Eph 5:18).
Das ist eine ganz andere Frage. Ich bin verlobt und werde dieses Jahr - so Gott will - heiraten (Jak 4:15). Natürlich könnte ich fragen: "Darf ich mit anderen Frauen reden?", "Darf ich mit anderen Frauen zu zweit einen Spaziergang machen?", "Wie weit kann ich gehen, ohne untreu zu werden?" Aber was würde das über mich sagen? Meine Verlobte würde sich zu Recht Sorgen machen. Denn wenn ich ihr treu sein will (Spr 3:3 / 1Kor 13:7), dann frage ich mich nicht, wie weit ich gehen kann, bis ich untreu bin, sondern dann werde ich versuchen, alles zu tun, um mich gar nicht in die Gefahr zu bringen, untreu zu werden. Dann werde ich nicht fragen "Was darf ich mit anderen Frauen machen?", sondern ich werde mich fragen "Wie kann ich meiner Verlobten ein möglichst guter Partner sein?", "Wie kann ich unsere Beziehung stärken und Risiken vermeiden?" (Eph 5:25). Das wird mich zu völlig anderen Entscheidungen bringen. Darf ich mit einer anderen Frau alleine spazieren gehen, ohne untreu zu sein? Ich denke schon. Wäre das weise? Ich denke nicht.
Darf ich als Christ feiern gehen und Alkohol trinken? Ich denke ja. Ist es weise? Wird mich das in meinem Glauben stärken und mich Jesus-ähnlicher machen? Ich denke nein – vor allem dann, wenn man die Nüchternheit verliert.
Wir sollten unser Leben also nicht nach der Frage prüfen – "Darf ich das?" –, sondern nach der Frage: "Ist das gut?" (1Kor 10:23). Hier kann man sich noch fragen: "Ja, was ist denn gut?" (Phil 1:9-10). Und da glaube ich, hängt die Antwort davon ab, was dein Ziel ist. Wenn dein Ziel ist, für Jesus zu leben, ihm zu dienen und mehr so zu werden, wie er ist (Röm 8:29 / 2Kor 3:18), dann ist all das gut, was zu diesem Ziel beiträgt (Phil 3:12-14).
Such dir heute doch mal einen Bereich deines Lebens und prüfe ihn. Frag dich „Gestalte ich diesen Lebensbereich gut?", lebe ich diesen Bereich so, dass es mir dabei hilft, Jesus gehorsam zu sein, ihn und meine Mitmenschen von Herzen zu lieben, oder gibt es da vielleicht einiges auszumisten?
Ich möchte ein paar Beispiele nennen: Wie gehst du mit deinem Geld um? Wie nutzt du deine Zeit? Hängst du den ganzen Tag am Handy und lässt dich berieseln, oder ist dein Umgang mit Medien so, wie du ihn eigentlich möchtest? Ernährst du dich gesund, oder schadet deine Ernährung deinen Zielen? Bewegst du dich genug? Gehst du zu einer guten Zeit ins Bett? Wie gehst du mit anderen Menschen um? Hast du deine Sexualität im Griff? Nehmen deine Hobbys zu viel Raum ein, sodass du in der Gemeinde nichts mehr machen kannst, oder hast du hier eine gesunde Balance? Es gibt noch vieles mehr und ich denke, es ist auch klar, dass ich hier nicht als derjenige rede, der auf allen Bereichen perfekt christusähnlich ist und kein Verbesserungspotenzial mehr hat – nein, das wäre zwar schön, aber wir sitzen alle im selben Boot und auch ich muss mich hier immer wieder prüfen und immer wieder ausmisten.
Aber warum ist es so wichtig, sich hier zu prüfen? Es ist unter anderem so wichtig, weil das Unnütze das Gute erstickt, auch wenn es an sich nicht sehr schädlich ist. Ich fotografiere gerne. Um sicherzugehen, dass ich auch das ideale Bild erwische, mache ich von einem Motiv immer gleich mehrere Bilder.
Das führt dazu, dass sich in meiner Galerie sehr schnell hunderte und tausende Bilder ansammeln. Dadurch, dass jedes Motiv mehrfach dabei ist, macht es keinen Spaß, sich die Bilder durchzusehen und man findet auch schlecht die guten Bilder. Ist es verkehrt, zwei Fotos von einem Motiv in der Galerie zu haben? Nein. Ist das eine etwas schlechtere Bild böse oder antichristlich? Nein. Trotzdem erstickt die Menge an Duplikaten die Schönheit der ganzen Sache. Damit es Spaß macht, sich die Bilder anzusehen, muss ich 90% löschen. Dadurch entfalten die guten Bilder erst ihr Potenzial. Ich muss aktiv aussortieren und prüfen, was ich behalten will und was nicht. Ich muss ausmisten. Und so ist es mit vielem.
Wir haben begrenzte Ressourcen. Wir können nicht alles machen. Ich kann nicht jeden Abend einen Film schauen und jeden Abend ins Training gehen und mich gleichzeitig jeden Abend mit Freunden treffen und gleichzeitig zum Bibelabend, zum Gebetsabend und zur Gemeindeversammlung gehen (Pred 3:1). Darum müssen wir uns überlegen, wer wir sein wollen, was wir mit unserem Leben machen wollen und was wir schaffen wollen (Eph 5:15-16). Wenn wir das nicht aktiv gestalten, dann wählen wir meist den angenehmsten und einfachsten Weg, und das ist nicht der Weg der Nachfolge (Mt 7:13-14).
Wenn wir Jesus ähnlicher werden wollen, dann führt kein Weg daran vorbei, unser Leben zu prüfen und auszumisten und immer wieder nur das Gute zu behalten. Und ja – da kann durchaus dazugehören, dass man ab und zu mit Freunden einen Film schaut. Da kann dazugehören, dass man mal ins Stadion geht oder regelmäßig Sport macht. Da kann auch dazugehören, dass man mal ein Eis isst oder sich einen richtig guten Burger gönnt.
Die Bibel verbietet uns sehr wenig – wir haben eine große Freiheit und Jesus ist überhaupt nicht Spaß-feindlich (Ps 16:11). Wer das denkt, dem muss bewusst sein, dass Gott der Erfinder von gutem Essen (1Tim 4:4), von Musik (Ps 150), von der wunderschönen Natur (1Mo 1:31) und von Sexualität ist (1Mo 2:24-25). Wichtig ist einfach, dass wir das, was wir tun, bewusst tun (1Kor 10:31). Dass wir uns nicht einfach treiben lassen (Eph 5:15-17).
Ich habe mir für dieses Jahr einen Neujahrsvorsatz gemacht: Ich möchte jeden einzelnen Bereich in meinem Leben überprüfen und mir bewusst machen, was gut ist und was gehen muss. In manchen Bereichen weiß ich schon, was ich tun muss, aber habe es noch nicht ordentlich hinbekommen; in anderen Bereichen muss ich mich noch gründlicher prüfen und erkennen, was wirklich gut ist und was nicht.
Lasst uns tun, wozu uns der Vers auffordert: Prüft alles und behaltet das Gute.