Normalerweise ist ein Geburtstag ein Tag der Freude. Sobald die Geburt erfolgt ist, freuen sich üblicherweise die Eltern und auch alle Mitmenschen. Ein neuer Mensch und somit eine neue Persönlichkeit hat "das Licht der Welt" erblickt! Eine Geburt ist jedes Mal ein Wunder Gottes. Dafür können wir Gott nur danken und ihn loben (Ps 139:14 / Jer 1:5)! Der Todestag hingegen ist für die Angehörigen meist ein Tag der Trauer und des Leids.
Salomo, der weiseste Mensch aller Zeiten, betrachtete diese Ereignisse aus einer anderen Warte! In Prediger 7:1 schreibt er dazu:
Diese Aussage beurteilt den Geburts- und Todestag von uns Menschen anders, als wir sie empfinden. Aus der Sicht der Bibel ist der Todestag besser als der Geburtstag! Warum? Beim Geburtstag hat man das Leid und den Schmerz vor sich, während man am Todestag diese Dinge hinter sich hat und zur Ruhe kommen kann; sofern man im Vertrauen auf Gott sterben kann (Offb 14:13 / 2Tim 4:7-8)!
Paulus schreibt in Philipper 1:23-24 auch:
Seinen Geburtstag empfand Hiob als Startschuss für seine Leidenszeit (Hi 3:3 / Hi 3:11).
Aus der Sicht Hiobs war der Tag seiner Geburt auch der Tag, der sein enormes Leiden ermöglicht hat. Jeremia hatte Ähnliches erlebt! Auch er verfluchte den Tag, an dem er geboren wurde. Er wünschte sich sogar, dass der Geburtshelfer ihn getötet hätte, sodass er nie das "Licht der Welt" erblickt hätte (Jer 20:14-18)!
In seiner Vorstellung hätte Hiob Ruhe gehabt, wenn er eine Totgeburt gewesen wäre. Er dachte, dass dort eine Gleichheit und Sorglosigkeit vorherrschte und dass dort die Gottlosen nicht mehr ihr Unwesen treiben können (Hi 3:13-19).
Aus neutestamentlicher Sicht wissen wir, dass es im Hades (hebr. Scheol) durchaus Unterschiede gibt. Arme und Unterdrückte werden getröstet, während reiche und egoistische Menschen, die sich nicht um Bedürftige gekümmert haben, eine Qual erleiden (Lk 16:19-31).
In Vers 20 erscheint dann die berühmte "Warum-Frage": "Warum gibt er dem Mühseligen Licht und Leben den Verbitterten – ⟨denen⟩, die auf den Tod warten, …". Hiob kann den Sinn seines Leidens nicht erkennen. Offensichtlich weiß er nicht, was Gott damit "bezweckt" und wie er damit umgehen soll (Hi 3:20 / Ps 42:10).
Obwohl ich heute eine neutestamentliche Sicht habe, kann ich Hiob insofern gut verstehen, als dass ich erahne, wie zermürbend es sein muss, wenn man über Tage ohne Unterbrechung von Schmerzen geplagt wird. Krampfhaft versucht man, dieses Leid zu beenden, aber man findet keinen Ausweg aus dieser zermürbenden Situation! Es ist einfach nur schrecklich, und wahrscheinlich wäre jeder andere auch am Leben verzweifelt (Ps 38:7-9 / 2Kor 1:8).
Zwar wissen wir aus dem Neuen Testament, dass Gott aus unseren Leiden eine unfassbare Herrlichkeit entstehen lässt, die man im Gegensatz zur irdischen Bedrängnis als leicht einstuft, aber wenn man in dieser verzweifelten Lage steckt, dann hilft dieses Wissen nur sehr beschränkt (Röm 8:18 / 2Kor 4:17). Menschliche Ratschläge und psychologische Therapien kommen hier sehr bald einmal an ihre Grenzen. Nur der HERR selbst kann uns dann die Kraft zum Tragen und einen inneren Frieden schenken, sodass wir eine solche Last tragen können (Phil 4:13 / 2Kor 12:9)!
Hiob sehnte sich nach dem Tod, und aufgrund seiner Aussagen müsste man ihn als suizidgefährdet betrachten. Warum kam es zu keinem Suizid? Ich glaube, dass dies nicht unbedingt daran lag, dass Hiob so heroisch sein Leiden ertragen konnte, sondern vielmehr daran, dass Gott allen geistigen und seelischen Kräften einen Suizid verweigert hat. Gott sagte ja zu Satan: "Siehe, er ist in deiner Hand. Nur schone sein Leben (w. seine Seele)!" (Hi 2:6 / 1Kor 10:13)
Satan konnte die Seele Hiobs bedrängen, aber er bekam nicht die Genehmigung, die Seele Hiobs so sehr zu attackieren, dass dieser sich das Leben nahm! Gott wachte über dem Leben bzw. über der Seele Hiobs! (Ps 121:7 / 1Petr 1:5)