Inhalt

Hiob 29 - Hiobs Rückblick auf seine frühere Herrlichkeit

Das Buch Hiob ist eines der ältesten Bücher der Bibel und zeigt einen Mann, der unschuldig gelitten hat (Hi 1:8). Hiob war zwar nicht sündlos wie Jesus Christus (Hebr 4:15), aber seine Leidensgeschichte war nicht die Folge eines sündhaften Lebens, sondern resultierte aus einer "himmlischen Entscheidung" (Hi 1:12).

Den meisten Bibelkennern dürfte bekannt sein, dass Hiob auch ein Christus-Darsteller ist. Hiob ist ein Bild auf Jesus, der als unschuldiger Gottesknecht unsagbar gelitten hat (Jes 53:3 / 1 Petr 2:22-23).

Das Kapitel 29 zeigt uns nicht das Leiden des Hiob, sondern seine frühere Herrlichkeit. Meines Erachtens ist er auch darin ein Christus-Darsteller. Dieses Kapitel zeigt symbolhaft das herrliche und liebende Wesen Jesu Christi sowie seine Herrlichkeit, die er vor seiner Erniedrigung besaß (Joh 17:5 / Phil 2:6-7).

Dr. Vernon McGee, den ich außerordentlich schätze, kommentierte in Radiosendungen die ganze Bibel, von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22. Das machte er so ausführlich, dass er dazu 1’300 Sendungen à ca. 30 Min. produzierte. Diese Sendungen bzw. die App "Durch die Bibel" kann ich allen wärmstens empfehlen.

Allerdings bin ich in Bezug auf seine Interpretation von Hiob 29 nicht gleicher Meinung. Er interpretiert Hiob 29 sinngemäß als ein selbstgefälliges und hochmütiges Eigenlob Hiobs! Ich sehe das anders, weil seine Beschreibung über sein früheres Leben keine Lüge sein kann! Warum? Wären diese Informationen unzutreffend, dann hätte Gott nicht gesagt, dass Hiob Wahres geredet hat und Satan hätte ihn berechtigterweise der Lüge bezichtigen können (Hi 42:7). Ich glaube auch nicht, dass Gott vor Satan auf Hiob hingewiesen hätte, wenn es sich bei ihm um einen hochmütigen Mann gehandelt hätte (Hi 1:8)! Ganz einfach deshalb, weil Gott den Hochmütigen widersteht (Jak 4:6 / 1 Petr 5:5)!

Für mich ist die Beschreibung aus Hiob 29 durchaus authentisch, und sie zeigt uns, was dieser Mann für ein "geistliches Kaliber" war. Nach einem eingehenden Studium von Hiob 29 sagte mein Großvater sogar: "Ich fing an, diesen Mann zu beneiden!" Das sagte er natürlich nicht wegen seiner Leiden, sondern weil er zuvor über einen kaum fassbaren geistlichen Reichtum verfügte (Hi 1:1-3)! Nach seinen Leiden war dieser Reichtum natürlich noch viel größer (Hi 42:10-17 / Jak 5:11)!

Nachfolgend möchte ich nicht auf jeden einzelnen Vers eingehen, sondern nur einzelne Passagen etwas näher erläutern (Spr 9:9 / 2 Tim 2:15). Diese Betrachtung soll uns helfen, die Parallelen zwischen Hiob und Christus besser zu verstehen und die tiefere geistliche Bedeutung dieses Kapitels zu erfassen (Lk 24:27 / 1 Kor 10:11).

1. Hiobs Sehnsucht nach vergangenen Tagen (V. 1-6)

Erinnerung an Gottes Schutz (Hi 29:2)

Hiob war sich durchaus bewusst, wie Gott ihn früher bewahrte und dass dieser Schutz Gottes ein ganz besonderer Segen war (Ps 91:11 / Spr 10:22). Auch wir dürfen uns immer wieder daran erinnern: "An Gottes Segen ist alles gelegen!" (Ps 127:1 / Eph 1:3)

Gottes Licht als Führung (Hi 29:3, Ps 119:105)

Hiob könnte man zu Recht als einen "Erleuchteten" bezeichnen. Gott offenbarte ihm durch seinen Geist ganz wunderbare Dinge (Hi 32:8 / 1Kor 2:10). Seine lange Lebenszeit (vermutlich einiges über 200 Jahre) dürfte ein Hinweis darauf sein, dass er während oder vor der Zeit Abrahams lebte. Die Berichte aus 1. Mose 1-11 dürfte er gekannt haben, aber ansonsten kannte er vermutlich nur das, was Gott ihm selbst geoffenbart hat (Hi 42:5). Wer im Lichte Gottes wandeln kann, ist mit dem Geist Gottes erfüllt und hat eine tiefere Einsicht in die wahre Realität (1Jo 1:7 / Eph 1:17-18).

Zeit des Segens und der Gemeinschaft mit Gott (Hi 29:4-6)

Der Rat Gottes. Wenn der Rat Gottes (hebr. „sod", auch „Geheimnis") über seinem Zelt wachte, dann gibt uns das Einblick in eine Zeit, in der sich Hiob Gottes Gegenwart und Segen bewusst war – im Gegensatz zu seiner gegenwärtigen Situation des Leidens und der scheinbaren Gottverlassenheit (Ps 42:2-3 / Kla 3:8). Hiob war so sehr mit Gott verbunden, dass er in den Rat und in die Geheimnisse Gottes Einblick nehmen durfte! Was für ein Vorrecht! (Joh 15:15 / 1Kor 2:10)

Seine Schritte badeten in Dickmilch. Dieser Satz dürfte ebenfalls eine Metapher für einen wohltuenden Segen sein. Wohin Hiob auch seine Schritte lenkte, wurde er mit Reichtum und Segen umgeben (5Mo 28:2-6 / Ps 23:5). Diese bildhafte Sprache erinnert an die Verheißungen Gottes für sein Volk, in einem Land zu leben, das von Milch und Honig fließt (2Mo 3:8 / 5Mo 26:9).

Der Fels neben ihm ergoss Ölbäche. Auch diese Aussage deutet den segensreichen Wohlstand Hiobs an. Vielleicht ist damit im wörtlichen Sinne eine in Fels gehauene Ölpresse gemeint. Aber man kann diese Aussage durchaus auch geistlich deuten. In der Bibel ist "der Fels" ein Bild für Christus und das Öl eine Metapher für den Geist (1Kor 10:4 / 1Jo 2:27). Inwieweit Hiob bereits eine Ahnung vom Sohn Gottes hatte, wissen wir nicht, aber von Abraham sagte Jesus: "Abraham, euer Vater, jubelte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ⟨ihn⟩ und freute sich." (Joh 8:56) Ähnliches könnte ich mir bei Hiob vorstellen: "Christus stand bei Hiob und ergoss eine Fülle des Geistes, sodass Hiob in seinem Herzen einmalige und göttliche Dinge erkennen durfte!" (Joh 16:13 / 1Kor 2:10) Das ist durchaus beneidenswert!

2. Hiobs Ansehen und Einfluss in der Gesellschaft (V. 7-11)

Diese fünf Verse zeigen wie groß das Ansehen Hiobs war. Alle, von jung bis alt und auch die Mächtigen hatten größten Respekt vor Hiob.