Wie lange der Zeitraum zwischen Kapitel 1-2 und Kapitel 38 war, lässt sich schwer sagen. Man vermutet, dass es einige Wochen oder Monate dauerte, bis der HERR mit Hiob sprach. Angesichts seiner körperlichen und seelischen Schmerzen war das eine "lange Zeit"! (Hi 7:3 / Ps 13:1-2)
Wie sich Hiob nach den Reden des Elihu fühlte, lässt sich kaum sagen. Es scheint, als wäre er danach sprachlos gewesen. Gaben ihm seine Reden "den Rest", sodass er vollends verzweifelte, oder lösten diese in ihm einen neuen Denkprozess aus, den er aber nicht kommentieren wollte? War er einfach zu erschöpft, um noch etwas Weiteres zu entgegnen, oder hatte er gar keine Zeit mehr, etwas zu sagen, weil der HERR die Reden des Elihu "nahtlos" beendete? (Hi 32:1 / Ps 39:2-3)
Vielleicht haben einige dieser Aspekte eine gewisse Rolle gespielt, allerdings tendiere ich zum Letzteren! Nach dem letzten Satz Elihus dachte der HERR vermutlich: "Jetzt ist genug geredet und ich habe lange genug geschwiegen!" (Hi 38:1 / Ps 50:3)
Wie sich Hiob fühlte, als Gott anfing mit ihm zu reden, wissen wir ebenfalls nicht! Zwei Dinge vermute ich aber:
Als Gott zu reden beginnt, beantwortet er weder die Frage nach dem Warum, noch kommt es zu einer Verurteilung Hiobs! (Jes 55:8-9 / Röm 11:33-34)
In den Kapiteln 38 bis 41 überhäuft Gott Hiob mit einer Reihe von Fragen. Die Frage, welche die Betroffenen am meisten interessiert, bleibt unbeantwortet. Stattdessen stellt Gott noch viel mehr Fragen. Je nach Zählweise hat Gott Hiob etwa 70 bis 80 Fragen gestellt. Was war die Folge? Die ursprüngliche Frage, warum Gott das große Leid Hiobs zuließ, tritt plötzlich in den Hintergrund! (Hi 38:1-41:34 / Jes 55:8-9)
Nach dem Reden Gottes hat Hiob nicht die Frage gestellt: "HERR, warum hast du es zugelassen, dass ich so schwer leiden musste?" Traute sich Hiob nicht, diese Frage zu stellen, oder war sie ganz einfach nicht mehr so wichtig? Das Letztere dürfte der Fall gewesen sein! (Hi 42:1-6 / Röm 11:33-34)
Die vielen Fragen Gottes dürften folgendes Bewusstsein ausgelöst haben: "Ich weiß so vieles nicht! Eigentlich weiß ich, dass ich praktisch nichts weiß, und deshalb ist es völlig anmaßend, wenn ich die Entscheidungen Gottes infrage stelle! Gott weiß alles und er sieht alle Zusammenhänge - nicht nur in der Gegenwart - sondern auch in Bezug auf die gesamte Weltgeschichte und in Bezug auf die Ewigkeit!" (Spr 3:5-6 / 1Kor 13:12)
Durch den Umstand, dass Gott dem Satan die Genehmigung gab, Hiob "alles" zu nehmen, bewirkte Gott unvorstellbare Dinge, bis in die heutige Zeit hinein. Das Leiden Hiobs wurde zu einem wesentlichen Bestandteil des Wortes Gottes, und es hat seither Hunderttausenden, wenn nicht Millionen von Menschen Trost und Orientierung gegeben! (Jak 5:11 / Röm 15:4 / Röm 8:28 / 2Kor 1:3-4)
Könnten wir Hiob heute fragen: "Hat der HERR einen Fehler gemacht, als er dich unschuldig leiden ließ?", würde er zu uns sagen: "Nein, auf keinen Fall! Heute komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn ich sehe, was der HERR dadurch alles bewirkt hat! Ihm allein gebührt die Ehre und Anbetung!" (Jak 5:11 / Offb 4:11)
Der letzte Abschnitt von Gottes Rede endet mit der Beschreibung des Leviatan. Dabei handelt es sich um ein "Urzeitmonster", das es heute vermutlich nicht mehr gibt. Möglicherweise war es ein besonders furchterregender Dinosaurier (Hi 41:1-34).
Man fragt sich, warum die Beschreibung des Behemot (Hi 40:15-24) und Leviatan (Hi 40:25-41:26) in der Rede Gottes so viel Raum einnimmt (44 Verse). Diese furchterregende Beschreibung hat indirekt auch etwas mit der Frage zu tun, warum Gott dem Bösen so viel Raum gibt und warum er das Böse so stark gemacht hat (Röm 9:22-23 / 2Thes 2:7).
Wenn man alle Eigenschaften des Leviatan genauer betrachtet, kann man sich dem Eindruck, dass es sich hier auch um eine metaphorische Beschreibung handelt, kaum erwehren. Hier ein paar Beispiele: