1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte; und dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwende er seine Habe. 2 Und er rief ihn und sprach zu ihm: Was ist es, das ich von dir höre? Lege die Rechnung von deiner Verwaltung ab! Denn du wirst nicht mehr Verwalter sein können. 3 Der Verwalter aber sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Denn mein Herr nimmt mir die Verwaltung ab. Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. 4 Ich weiß, was ich tun werde, damit sie mich, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, in ihre Häuser aufnehmen. 5 Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn herbei und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? 6 Der aber sprach: Hundert Bat Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und setze dich schnell hin und schreibe fünfzig! 7 Danach sprach er zu einem anderen: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der aber sprach: Hundert Kor Weizen. Und er spricht zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und schreibe achtzig! 8 Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts gegen ihr eigenes Geschlecht. 9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, man euch aufnimmt in die ewigen Zelte! 10 Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht. 11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? 12 Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eure geben? 13 Kein Haussklave kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter in Lukas 16 gehört zu den herausforderndsten Texten des Neuen Testaments und hat Ausleger über Jahrhunderte hinweg beschäftigt (Lk 16:1-13). Während die Handlung in den ersten sieben Versen noch nachvollziehbar erscheint, wirft bereits die Charakterisierung des Verwalters erste Fragen auf: Wie sollen wir seine Handlungen bewerten?
Besonders rätselhaft wird es ab Vers 8: Der Herr lobt ausgerechnet seinen ungerechten Verwalter für dessen kluges Handeln (Lk 16:8). Wie kann jemand, der sich der Untreue schuldig gemacht hat, ein Lob verdienen? Und was bedeutet die Aussage, dass die Söhne dieser Welt klüger sind als die Söhne des Lichts? Was machen die weltlich gesinnten Menschen offenbar besser als die Gläubigen?
Das Gleichnis präsentiert einen scheinbaren Widerspruch: Einerseits wird kluges, strategisches Handeln gelobt, andererseits macht Jesus unmissverständlich klar, dass Untreue eine Disqualifikation für künftige Verantwortung bedeutet (Lk 16:10-12). Wie passt das zusammen?
Besonders verstörend wirkt die Aufforderung in Vers 9, sich mit dem ungerechten Mammon Freunde zu machen. Wie können Jünger Jesu ausgerechnet mit diesem verabscheuungswürdigen Götzen, der Menschen von Gott entfremdet, strategisch umgehen sollen? Und was hat es mit den mysteriösen "ewigen Zelten" auf sich? Warum sollten die Söhne des Lichts in die Zelte der Söhne dieser Welt aufgenommen werden wollen, wenn ihnen doch Wohnungen im Haus des Vaters verheißen sind?
Dieses Gleichnis löst tatsächlich mehr Fragen aus als es auf den ersten Blick beantwortet. Um es richtig zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den unmittelbaren Kontext.
Jesus erzählt dieses Gleichnis direkt im Anschluss an die Geschichte vom verlorenen Sohn. Kapitel 15 endet mit der liebevollen, aber auch herausfordernden Ermahnung an den älteren Bruder. Dieser hatte sich über das Fest für den heimgekehrten jüngeren Bruder geärgert – jenen Bruder, der sein Erbe verschwendet und durchgebracht hatte. Der ältere Sohn hingegen war seinem Vater treu geblieben und hatte pflichtbewusst gearbeitet.
Es liegt nahe, dass das Gleichnis vom ungerechten Verwalter eine fortgesetzte und vertiefte Botschaft an genau diesen älteren Sohn darstellt. Während der jüngere Sohn sein Erbe verschwendete (ähnlich dem untreuen Verwalter), hatte sich der ältere zwar nicht untreu verhalten, aber offenbar auch nicht verstanden, wie man mit den anvertrauten Gütern weise umgeht, um andere damit zu erreichen und zu segnen.
Nach diesem Gleichnis folgt eine aufschlussreiche Reaktion:
"Dies alles hörten aber auch die Pharisäer, die geldliebend waren, und sie verhöhnten ihn."
Die Pharisäer spürten offensichtlich, dass dieses Gleichnis sie persönlich betraf – so sehr, dass sie mit Spott reagierten. Doch was genau hat sie getroffen? Fühlten sie sich ertappt bei ihrer Geldliebe? Oder erkannten sie sich in der Rolle des älteren Sohnes wieder, der zwar äußerlich treu war, aber das Herz des Vaters für die Verlorenen nicht verstand? Diese Fragen gilt es nun genauer zu untersuchen.
Die nachfolgenden Verse stammen aus der Übersetzung von Heinz Schumacher.
**Lk 16:1 - Weiter sagte er zu [seinen] Schülern: Ein reicher Mensch hatte einen Verwalter (42*) und dieser wurde bei ihm [zu Recht] verdächtigt (43*), er verschleudere ihm den Besitz (44*).**
Anmerkungen von Heinz Schumacher: 42* o. Haushalter (griech. oikonomos, "Ökonom") 43* o. verklagt (über diesen wurde ihm hinterbracht) 44* o. er verschwende, vergeude, zerstreue ihm das Vermögen (die Habe) (Lk 15:13) →📗 →📚
Das griechische Wort, das hier mit “verschleudern” übersetzt wird, lautet διασκορπίζω (diaskorpizō) und bedeutet wörtlich "zerstreuen" oder "verschwenden". Es ist dasselbe Wort, das in Lukas 15:13 für den verlorenen Sohn verwendet wird, der sein Erbe "verschwendete". Diese sprachliche Parallele unterstreicht die Verbindung zwischen beiden Gleichnissen.
Aber was bedeutet es in diesem Gleichnis konkret? Wie könnte dies ausgeschaut haben? Ein Verwalter hatte im antiken Kontext weitreichende Vollmachten über das Vermögen seines Herrn. Er konnte Geschäfte abschließen, Kredite vergeben und Schulden eintreiben. Die Anschuldigung der "Verschleuderung" könnte bedeuten, dass er nachlässig mit den Ressourcen umging, zu großzügige Konditionen gewährte oder die Güter nicht optimal verwaltete – ähnlich wie der verlorene Sohn sein Erbe "zerstreute".
Möglicherweise zeigt sich bereits in Vers 1, dass er gute geschäftliche Beziehungen pflegte – aber auf Kosten seines Herrn. Diese Großzügigkeit mit fremdem Gut diente letztlich seinen eigenen Interessen und der Pflege seines sozialen Netzwerks.
**Lk 16:2 - Da rief er ihn und sprach zu ihm: Was höre ich da über dich? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung (45*); denn du kannst nicht länger Verwalter sein.**
Anmerkungen von Heinz Schumacher: 45* o. Mach die Abrechnung von deiner Haushaltsführung ("Ökonomie") →📗 →📚
In diesem Vers stellt sich die Frage: Warum gibt der Herr dem Verwalter überhaupt die Möglichkeit, eine Abrechnung zu erstellen? Musste er nicht damit rechnen, dass der Verwalter die Zahlen zu seinen Gunsten manipulieren würde?
Im antiken Kontext war es üblich und rechtlich erforderlich, dass ein Verwalter am Ende seiner Amtszeit eine ordnungsgemäße Rechenschaft ablegte. Der Herr handelte also nach den damaligen Gepflogenheiten. Ohne eine solche Abrechnung hätte der Herr keinen vollständigen Überblick über den Zustand seiner Vermögenswerte und offene Forderungen gehabt.
Obwohl der Herr von der Verschleuderung gehört hatte, gab er dem Verwalter zunächst die Chance, sich zu rechtfertigen und eine saubere Übergabe zu ermöglichen. Dies zeigt eine gewisse Großzügigkeit und den Willen, dem Verwalter nicht ohne Weiteres jede Integrität abzusprechen. Der Verdacht war möglicherweise noch nicht vollständig bewiesen.
Aus der Perspektive des Gleichnisses ist diese Entscheidung des Herrn entscheidend für die Handlung: Sie gibt dem Verwalter überhaupt erst die Gelegenheit, klug zu handeln und sich durch die Schuldenerlasse Freunde zu machen. Ohne diese Zeitspanne zwischen Kündigung und tatsächlicher Entlassung gäbe es keine Geschichte.
Theologisch betrachtet könnte diese Gnadenfrist auch eine Parallele zum geistlichen Leben darstellen: Gott gibt Menschen Zeit und Gelegenheit, ihr Leben zu ordnen und kluge Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie versagt haben. Die Phase zwischen der Ankündigung des Gerichts und dessen Vollzug ist ein Raum der Gnade und der Umkehr.
Interessanterweise zeigt sich hier auch die Weisheit des Herrn im Gleichnis: Er wusste offenbar, dass der Verwalter sich selbst helfen würde – und genau dieses kluge, wenn auch eigennützige Handeln wird später gelobt (Vers 8). Der Herr gab dem Verwalter genug Seil, um Buße zu tun und sich zu retten. Der Verwalter fand zwar einen cleveren Weg, um sich selbst zu retten, aber er hätte noch etwas Besseres machen können.
**Lk 16:3 - Der Verwalter (42*) aber sprach bei sich selbst (46*): Was soll ich [jetzt nur] machen, da mein Herr mir die Verwaltung wegnimmt? [Den Erdboden] umzugraben bin ich zu schwach (47*), zu betteln schäme ich mich.**
**Lk 16:4 - Ich weiß [schon], was ich mache (48*), damit, wenn ich des Verwalteramts enthoben bin (49*), sie mich aufnehmen in ihre Häuser (50*).**
**Lk 16:5 - Und er bestellte jeden Einzelnen der Schuldner seines Herrn (51*) zu sich und sprach zu dem ersten: Wie viel schuldest du meinem Herrn?**
**Lk 16:6 - Er sagte: 100 Fass (52*) Öl. Da sprach er zu ihm: Nimm deine Schuldscheine (53*), setz dich hin und schreib schnell: 50! –**
**Lk 16:7 - Danach sprach er zu einem andern: Du aber, wie viel schuldest du? Der erwiderte: 100 Maß (54*) Weizen. Er sagt zu ihm: Nimm deine Schuldscheine (53*) und schreibe: 80! -**
Anmerkungen von Heinz Schumacher: 42* o. Haushalter (griech. oikonomos, "Ökonom") 46* o. sagte zu sich selbst (überlegte) 47* o. Graben kann ich nicht 48* o. Ich habe erkannt, was ich tun werde 49* o. wenn ich von der Verwaltung entfernt bin (als Verwalter entlassen bin) 50* Er will die bisherigen Schuldner als Freunde gewinnen, die ihm Dank schulden und ihn, wenn nötig, beherbergen und versorgen, indem er ihnen, solange er noch Verwalter ist, Teile ihrer Schuld großzügig erlässt. 51* die als Pächter o. Händler tätig waren 52* Bath = 36,4 Liter 53* o. Schriftstücke, Dokumente, Verträge (w. Buchstaben) 54* Kor = ca. 360 Liter (ca. 275 kg Weizen)
Der Verwalter sieht sein Ende nahen und überlegt sofort, welche Möglichkeiten ihm noch bleiben. Für körperliche Arbeit fühlt er sich zu schwach, und als Bettler möchte er nicht enden – das erscheint ihm zu erniedrigend. Seine Selbsteinschätzung zeigt eine realistische Sicht auf seine Situation: Er kennt seine Stärken und Schwächen genau.
In diesem Moment der Krise zeigt sich seine wahre Klugheit: Er erkennt, dass ihm noch eine begrenzte Zeit bleibt, in der er Zugang zu den Schuldnern seines Herrn hat und rechtlich befugt ist, in dessen Namen zu handeln. Diese Gelegenheit nutzt er geschickt aus. Er gewährt den Schuldnern erhebliche Erleichterungen – dem ersten einen Erlass von 50%, dem zweiten von 20%.
Er investiert in Beziehungen und macht sich durch die Schuldenreduktion Freunde, die ihm dankbar sein werden. Nach seiner Entlassung werden sie ihn freundlich in ihre Häuser aufnehmen. Seine Strategie ist eindeutig eigennützig, aber gleichzeitig bemerkenswert klug: Er investiert die Ressourcen seines Herrn – die ihm bald nicht mehr zur Verfügung stehen – in seine eigene Zukunftssicherung.
So weit so gut. Aber jetzt kommt das Lob des Verwalters, das doch einige Fragen aufwirft.
**Lk 16:8a - Und der Herr (55*) lobte den ungerechten Verwalter (42*), weil er klug gehandelt hatte; …**
Anmerkungen von Heinz Schumacher: 42* o. Haushalter (griech. oikonomos, "Ökonom") 55* Im Unterschied zu anderen hält W. Michaelis Jesus für den hier gemeinten Herrn; dies dürfte wegen V.8b auch richtig sein.
Warum lobt der Herr jemanden, der betrogen hat? Hat er nicht eigentlich kein Lob verdient?
Jesus verwendet dieses Gleichnis, um einen wichtigen Punkt zu verdeutlichen: Wenn selbst ungerechte Menschen so klug handeln, um ihre irdische Zukunft zu sichern, wie viel mehr sollten dann die "Söhne des Lichts" (die Gläubigen) klug handeln, um ihre ewige Zukunft zu sichern (Lk 16:8)!
Das Lob gilt also nicht der Unehrlichkeit, sondern der praktischen Weisheit, gegenwärtige Ressourcen für die Zukunft einzusetzen. Die Anwendung für Christen ist klar: Wir sollen die uns anvertrauten irdischen Güter (den "ungerechten Mammon") weise und großzügig einsetzen – durch Barmherzigkeit, Nächstenliebe und gute Werke – um uns damit "Freunde" für die Ewigkeit zu schaffen und Schätze im Himmel zu sammeln (Lk 16:9 / Mt 6:19-20).
Heinz Schumacher schreibt in seinen Anmerkungen dazu:
"Natürlich lobt Jesus nicht das Unrecht, das deutlich als solches bezeichnet wird, sondern die Klugheit, das Leben in der Gegenwart auf die Zukunft auszurichten, speziell durch barmherziges Tun."
Nicht wenige Menschen werden gerade durch Werke der Liebe und Barmherzigkeit für den HERRN gewonnen, wodurch sie dann zum Glauben kommen und ebenfalls vom HERRN eine himmlische Wohnung bekommen (Joh 14:2).
**Lk 16:8b - … denn [so fuhr Jesus fort] die Söhne dieser Weltzeit (56*) sind klüger als die Söhne des Lichts (57*) gegenüber ihren Zeitgenossen (58*).**
**Lk 16:9 - Und ich sage euch: Schafft euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons (59*), damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Wohnungen [Gottes] (60***
Anmerkungen von Heinz Schumacher: 56* o. dieses Zeitalters (Äons) 57* vgl. Joh 12:36 - Eph 5:8 - 1Thes 5:5 58* o. ihrem Geschlecht (genea) 59* w. aus dem Mammon der Ungerechtigkeit. Mammon = Geld, Besitz, Reichtum (was zum Götzen werden, aber auch im Dienst der Barmherzigkeit stehen kann). 60* w. In die Zelte o. Hütten der kommenden Weltzeit (im Königreich Gottes). V.9 läuft parallel mit Lk 16:4. - Vgl. Mt 6:19,20 - Mt 8:11 - Hebr 11:10 - Joh 14:2.
Die Söhne des Lichts sind vielleicht "allzu gerecht" (Pred 7:16) und sehr genau. Sie geben Gott den Zehnten (z.B. in die Gemeinde oder in die Mission), um sich dann beruhigt um die eigenen Dinge zu kümmern. Dabei fragen sie nicht mehr im Gebet danach, wie sie sich Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons schaffen könnten. Die Söhne der Welt dagegen haben verstanden, wie man durch Großzügigkeit gute Beziehungen knüpft. Sie tun dies meist aus egoistischen Gründen, aber es ist dennoch ein kluges Verhalten – eines, das den Christen manchmal fehlt.
Der zweite Teil von Vers 9 wirft dennoch einige Fragen auf: Was ist mit „wenn er zu Ende geht" gemeint? Und wer nimmt die Söhne des Lichts in die ewigen Wohnungen auf – und wann?
Die Formulierung "wenn er zu Ende geht" bezieht sich auf den Zeitpunkt des Todes oder auf das Ende dieser Weltzeit. Der irdische Besitz und alle materiellen Güter haben nur eine begrenzte Gültigkeit – sie enden spätestens mit unserem Leben. In diesem Moment wird offenbar, wie wir mit den uns anvertrauten Ressourcen umgegangen sind.
Zuerst möchte ich die Begriffe etwas näher betrachten:
Die Frage nach dem "Wer" lässt sich also auf unterschiedliche Weise verstehen:
Die Parallelstelle in Mt 25:31-46 (das Gleichnis vom Weltgericht) zeigt, dass Jesus großen Wert auf praktische Barmherzigkeit legt: "Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
Der entscheidende Punkt ist: Während die "Söhne dieser Welt" ihre irdischen Ressourcen klug für ihre irdische Zukunft einsetzen, sollen die Gläubigen ihre irdischen Ressourcen noch viel bewusster für ihre ewige Zukunft einsetzen – durch Werke der Liebe, Barmherzigkeit und Großzügigkeit, die ewigen Wert haben.
In den letzten vier Versen verschiebt Jesus den Fokus. Es geht nun nicht mehr um das kluge Verhalten des Verwalters – sein geschicktes Investieren in Beziehungen. Stattdessen steht sein untreues Verhalten gegenüber seinem Herrn im Mittelpunkt, das zu seiner Entlassung führte.
Mit diesem Gleichnis macht Jesus auch deutlich, dass man das eine tun und das andere nicht lassen sollte. Ehrlichkeit, Treue und Großzügigkeit schließen sich nicht aus. Hätte der kluge Verwalter eine korrekte Abrechnung gemacht und dafür mit seinem „Privatvermögen" die Schulden der Schuldner reduziert, hätte er sich gegenüber seinem Herrn treu verhalten und gleichzeitig in künftige Beziehungen investiert.
Hätte der Verwalter eine korrekte Abrechnung vorgelegt und sich offen zu seinem Fehlverhalten bekannt – indem er seinem Herrn sagte: „Ich habe von deinen Einkünften etwas für mein verschwenderisches Leben verwendet und das tut mir leid. Gib mir noch eine Chance und lass mich meine Schulden zurückzahlen!" – dann wäre es sehr gut möglich gewesen, dass der Herr ihm vergeben und er seinen Job nicht verloren hätte.
Doch statt sich ehrlich zu verhalten, betrog er seinen Herrn weiter. Er reduzierte die Forderungen an die Schuldner – auf Kosten seines Herrn.
Der Verwalter war bereits im Geringen untreu, als er das Vermögen seines Herrn für eigene Zwecke verwendete. Nun wurde er auch im Großen untreu: Er reduzierte die rechtmäßigen Forderungen an die Schuldner um 50 bzw. 20%.
Obwohl der Verwalter klug in Bezug auf künftige Beziehungen handelte, blieb er untreu. Seine anfängliche Untreue in kleinen Dingen mündete in große Untreue bei der Schlussabrechnung. Deshalb war er für eine weitere Anstellung ungeeignet. Der ungerechte Verwalter diente in seinem Herzen dem Mammon – und konnte daher seinem Herrn nicht richtig dienen (Lk 16:13).
Christen, die ihr Vermögen an oberste Stelle setzen, können ihrem Herrn Jesus Christus nicht richtig dienen (Mt 6:24)!
Das Spannende an diesem Gleichnis: Jesus macht deutlich, dass wir selbst von den Ungerechten etwas lernen können.
Wir Christen sollten im Geringen treu sein und gleichzeitig großzügig mit unserem Vermögen umgehen, wie Paulus schreibt:
„Im Übrigen sucht man hier an den Verwaltern, dass einer für treu befunden werde." (1Kor 4:2)
Und:
„Den Reichen in dem jetzigen Zeitlauf gebiete, nicht hochmütig zu sein noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss; Gutes zu tun, reich zu sein an guten Werken, freigebig zu sein, mitteilsam, indem sie sich selbst eine gute Grundlage für die Zukunft sammeln, damit sie das wirkliche Leben ergreifen." (1Tim 6:17-19)
Nachdem Jesus dieses Gleichnis erzählte, verhöhnten ihn die geldliebenden Pharisäer (Lk 16:14). Offensichtlich bemerkten sie, dass sie zwar Kümmel und Minze verzehnten, aber dass es ihnen an barmherziger Großzügigkeit fehlte (Mt 23:23).