Der erste Psalm zeigt uns die Grundlage für einen gottgefälligen Lebenswandel und kennzeichnet die Eigenschaften eines Gerechten.
Dieser einmalige Psalm beginnt mit einer Seligpreisung. Es heißt:
1 Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, 2 sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! 3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles, was er tut, gelingt. 4 Nicht so die Gottlosen; sondern ⟨sie sind⟩ wie Spreu, die der Wind verweht. 5 Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten. 6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergeht.
Psalm 1 wird nicht als klassischer „Messias-Psalm" gesehen, weist aber auf Jesus Christus hin – den vollkommenen Gerechten, der das Gesetz erfüllt hat (Mt 5:17). Psalm 2 beschreibt, wie er als Gottes Gesalbter und Sohn herrscht (Ps 2:6-7). Die beiden Psalmen bilden eine Einleitung zum gesamten Psalter und zeigen, wer der wahre „glückliche Mensch" ist und worin echtes Glück besteht (Ps 1:1 / Ps 2:12). Psalm 1 beschreibt den Weg des Gerechten, der unaufhörlich über das Gesetz des Herrn nachsinnt (Ps 1:2). Psalm 2 offenbart den königlichen Messias, bei dem sich alle bergen sollen (Ps 2:12).
| Der Weg des Gerechten | Der Weg des Gottlosen |
|---|---|
| Der Gerechte bzw. der Auf-Gott-Vertrauende … |
Ob man gerne im Rat der Gottlosen sitzt, hängt im Wesentlichen davon ab, welches Ziel man verfolgt (Spr 15:22 / Ps 1:1). Daraus ergeben sich auch die Motive für die Entscheidungen auf dem Lebensweg.
Der Rat der Gottlosen erscheint manchmal so attraktiv, weil er vermittelt, dass man tun kann, was man will (Ri 21:25 / Spr 14:12). Die Gebote Gottes hingegen werden oft als Einengung der eigenen Entscheidungsfreiheit empfunden (Röm 8:7).
Wie kostbar das Wort Gottes ist, entdeckt man meist erst dann, wenn man den HERRN mit all seinen wunderbaren Charaktereigenschaften erkennen konnte (Ps 19:8-11 / Ps 119:103).
Erst dann empfindet man das Nachsinnen über das Wort Gottes als ein großes Vorrecht und je mehr man über Gottes Gebote nachsinnt und sie als gut und wertvoll erkennt, desto mehr wird man auch die Gemeinschaft mit Menschen suchen, die ebenfalls danach trachten (Ps 119:63). Umgekehrt gilt: Wer sich am Wort Gottes stört oder es als Einschränkung empfindet, wird natürlicherweise jene Gesellschaft bevorzugen, die diese Ablehnung teilt (Spr 13:20).
Unsere Herzenshaltung gegenüber Gottes Wort bestimmt maßgeblich, mit wem wir uns umgeben und welchen Einflüssen wir uns aussetzen (1Kor 15:33). Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir unser Herz prüfen und uns fragen: Liebe ich Gottes Gesetz wirklich, oder empfinde ich es als Last? (Ps 139:23-24)
Der Weg der Sünder kennzeichnet sich vor allem dadurch, dass man Gottes Gebote bewusst missachtet und seinen eigenen Begierden folgt (Röm 6:12-13 / Jak 1:14-15).
Ob man diesen Weg einschlägt, hängt stark mit dem Glauben an Gott zusammen. Wer nicht an Gottes Existenz glaubt und davon ausgeht, dass beim Tod jegliches Bewusstsein verloren geht, versucht zwangsläufig, das Beste aus dem irdischen Leben herauszuholen. Die logische Folge: Man will ein selbstbestimmtes Leben führen.
Wer diesen Weg einschlägt, lebt in der Illusion, Freiheit bedeute, tun zu können, was man will – doch in Wahrheit wird er dadurch zum Sklaven seines Egoismus und damit der Sünde (Joh 8:34 / Röm 6:16).
Der Sünder sucht sein Glück in den Dingen dieser Welt und meint, durch Selbstverwirklichung und Genuss erfüllt zu werden (1Joh 2:15-17). Doch dieser Weg führt unweigerlich zu innerer Leere und letztlich zum geistlichen Tod (Röm 6:23 / Jak 1:15).
Menschen, die sich im Leben jeden Wunsch erfüllen konnten, empfinden ihr Dasein am Ende oft als sinnlos und leer.
Die dritte Stufe der Abwendung von Gott zeigt sich im Sitzen im Kreis der Spötter (Ps 1:1). Hier ist der Mensch nicht mehr nur gleichgültig gegenüber Gottes Wort, sondern macht sich aktiv darüber lustig (2Petr 3:3-4). Der Spötter verhärtet sein Herz gegen jede Zurechtweisung (Spr 9:7-8) und zieht andere mit sich in die Rebellion gegen Gott (Spr 1:22).
Spötter beeindrucken Unerfahrene oft durch ihr selbstbewusstes Auftreten und gewinnen dadurch Macht und Einfluss auf andere.
Gerade in der Endzeit treten Spötter immer provokativer auf, wie Petrus prophezeit:
Indem ihr dies zuerst wisst, dass am Ende der Tage Spötter mit Spötterei kommen werden, die nach ihren eigenen Begierden wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an. (2Petr 3:3-4)
Dieser Spott wird meines Erachtens den Gläubigen zunehmend zusetzen und auch unser Vertrauen in Gottes Wort auf die Probe stellen.
Wer im Kreis der Spötter sitzt, hat sich dort niedergelassen und eingerichtet – er ist zur Ruhe gekommen in seiner Gottlosigkeit (Spr 19:29). Diese Position zeigt die größte Entfernung von Gott und führt zu völliger geistlicher Blindheit (2Kor 4:4).
Der Weg des Gerechten beinhaltet zwei wesentliche Grundsätze (Ps 1:1-2):
Der Gottlose hingegen sucht die Gesellschaft derer, die sich von Gott nichts sagen lassen wollen und nur das verfolgen, was ihnen persönlichen Gewinn und Genuss verspricht (Spr 14:12).
Welchen Weg ein Mensch einschlägt, offenbart seine Ziele und die tiefsten Beweggründe seines Herzens (Mt 6:21 / Spr 4:23).
Das grundlegende Problem des Gottlosen liegt darin, dass er meint, selbst zu wissen, was gut für ihn ist. Er glaubt, auch ohne seinen Schöpfer weise Entscheidungen treffen zu können, weil er sich auf seine eigene Klugheit verlässt (Spr 3:5-7 / Röm 1:22).
Möglicherweise sieht er in Gott eine fordernde Autorität, die sein Glück einschränkt und ihn überfordert (Röm 8:7). Deshalb sucht er lieber die Gemeinschaft jener, die sich von Gott distanziert haben und sogar spöttisch über sein Wort reden (2Petr 3:3-4).
Der Gerechte hingegen – also derjenige, der aus einer Vertrauensbeziehung zu Gott lebt – hat durch Gottes Gnade die Kostbarkeit seiner Gebote entdeckt (Ps 19:8-11 / Ps 119:103). Er hat erkannt, dass die Gemeinschaft mit jenen, die gegen Gott rebellieren, seine Beziehung zu Gott trübt (1Kor 15:33 / 2Kor 6:14-17).
Die Gemeinschaft mit Sündern, die einen egoistischen Weg ohne Glauben an Gott eingeschlagen haben, schmerzt den Gerechten (Ps 119:136 / 2Petr 2:7-8). Nicht nur, weil er von ihnen verachtet und verfolgt wird (Joh 15:18-19 / 2Tim 3:12), sondern weil er auch ihr schreckliches Ende erkennt (Ps 73:17-19).
Der Gerechte hat erkannt, dass das Gesetz ihm wertvolle Orientierung für sein Leben gibt (Ps 119:105 / Ps 19:8-12). Gleichzeitig macht er die Erfahrung, dass er die Gebote nicht aus eigener Kraft einhalten kann (Röm 7:18-19 / Gal 2:16). Diese Unzulänglichkeit lässt ihn umso mehr auf die Gnade Gottes hoffen, die ihn letztendlich rechtfertigt (Röm 3:23-24 / Eph 2:8-9).
Darum führt das Beachten des Gesetzes zu einem wertvollen Entwicklungsprozess, der den Gerechten immer mehr an seinen Schöpfer bindet (Gal 3:24 / Röm 8:3-4).
Obwohl Gottesfürchtige sich intensiv mit Gottes Wort beschäftigen und es in ihrem Leben umsetzen sollten (Jos 1:8 / Ps 119:97), gibt es nur einen Einzigen, der das gesamte Gesetz vollkommen erfüllt hat: Christus (Mt 5:17 / Hebr 4:15)!
Christus allein ist der absolut Gerechte, der alle Gebote einhalten konnte (2Kor 5:21 / 1Petr 2:22) und während seiner Erdentage mit vollkommener Freude Tag und Nacht über das Gesetz Gottes nachsann (Joh 4:34 / Hebr 10:7).
Daher ist Psalm 1 auch eine prophetische Beschreibung des einen Gerechten und somit des Messias (Jer 23:5-6).
Kurzfristig mag der Gottlose in seinem Weg bestätigt werden, weil er womöglich weltlichen und materiellen Erfolg sieht (Ps 73:3-12). Doch langfristig ist sein Weg ein Weg, der ins Verderben führt (Spr 14:12 / Mt 7:13). Beim Gerechten verhält es sich umgekehrt: Durch seine Gottesfurcht empfängt er inneren Frieden und Herzensfreude (Spr 16:7 / Joh 14:27), doch zugleich begegnet ihm oft Ablehnung, Verachtung und sogar Verfolgung (Joh 15:18-20 / 2Tim 3:12).
Die Gegenüberstellung in Psalm 1 verdeutlicht diese Kontraste:
| Wie sich der Weg des Gerechten auswirkt | Welche Folgen der Weg des Gottlosen hat |
|---|---|
| Der Gerechte bzw. der Auf-Gott-Vertrauende … |
Der Gottlose wird mit Spreu verglichen – dem leichten, wertlosen Nebenprodukt beim Dreschen des Getreides. Spreu ist die äußere Hülle der Körner, die beim Worfeln vom Wind weggeblasen wird (Mt 3:12). Im Gegensatz zum festen, wertvollen Korn besitzt Spreu weder Substanz noch Halt oder Beständigkeit. So verhält es sich auch mit dem Gottlosen: Seine Lebensweise mag äußerlich beeindruckend wirken, doch ihm fehlt die innere Substanz und Verwurzelung in Gott (Jer 17:5-6). Beim Gericht Gottes wird offenbar werden, dass sein selbstgewählter Lebensweg keinen bleibenden Wert hatte (1Kor 3:12-15 / Mt 7:26-27).
Im Gericht Gottes wird alles mit Feuer geprüft und geläutert (1Kor 3:13). Für den Gottlosen wird es nichts geben, was Bestand hat – sein ganzes Lebenswerk wird verbrannt werden (1Kor 3:15 / Mt 7:26-27). Der HERR kennt den Weg der Gerechten – das heißt, er anerkennt, begleitet und bewahrt ihn (Ps 1:6 / 2Tim 2:19) – doch der Weg der Gottlosen führt ins Verderben (Spr 14:12). Die Liebe Gottes ist wie ein Feuer, das letztlich alles verzehrt, was nicht Liebe ist (Hebr 12:29 / 5Mo 4:24).
Der Gottlose, der an seinem Unglauben festhält, sollte weder in der Gemeinde Gottes auf Erden seinen Platz finden (Ps 1:5), noch wird er Einlass in die himmlische Stadt Jerusalem erhalten (Offb 21:27), denn dort heißt es:
“Und alles Unreine wird nicht in sie hineinkommen, noch ⟨derjenige⟩, der Gräuel und Lüge tut, sondern nur die, welche geschrieben sind im Buch des Lebens des Lammes.”
Der Gottlose hat als Gottloser keinen Zutritt im neuen Jerusalem (Offb 21:27), doch vom Thron Gottes und des Lammes geht ein Strom lebendigen Wassers aus (Offb 22:1). An diesem Strom steht der Baum des Lebens, dessen Blätter zur Heilung der Nationen dienen (Offb 22:2).
Es ist gut möglich, dass der Gottlose, nachdem sein Weg an sein Ende gekommen ist und er durch schmerzhafte Läuterungsprozesse erfahren musste, wie alles verbrennt, was er aufgebaut hat (1Kor 3:15), dann auch offen wird – für die Heilung durch die Blätter vom Baum des Lebens (Hes 47:12).
Der Gerechte gleicht einem Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist (Ps 1:3 / Jer 17:7-8). Er wird beständig vom wahren Lebenswasser gespeist und verdorrt darum nicht (Joh 4:14 / Joh 7:38). Jeder, der mit Christus verbunden ist, wird zu seiner Zeit Frucht bringen (Joh 15:5). Dies erinnert an die Worte Jesu in Johannes 15, wo er sagte:
"Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun."
Paulus beschreibt diese Frucht in Galater 5:22 folgendermaßen:
"Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit."
Wer am „Bach Gottes" stehen darf, hat ununterbrochen Zugang zum Wasser des Lebens und ist dadurch beständig mit dem wahren Leben verbunden (Ps 36:9-10 / Offb 22:1). Er lebt aus dem Vertrauen auf Gott und darf erleben, wie Gott Gelingen schenkt (Jos 1:8 / Spr 16:3).
Auch hier dürfen wir die vollkommene Erfüllung in Christus erkennen: Er ist der wahre Baum des Lebens, der allezeit mit seinem Vater verbunden war (Joh 15:1-5). Seine Blätter verwelken nie (Offb 22:2). Blätter symbolisieren in diesem Zusammenhang Leben, Segen, Schönheit und geistliche Vitalität (Hes 47:12). Und wie wir bereits gesehen haben, dienen sie auch der Heilung und Wiederherstellung der Völker (Offb 22:2).
Jesus Christus ist alles gelungen, und ihm wird alles gelingen (Jos 1:8)! Denn auch in Jesaja 53:10 heißt es:
"Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird ⟨seine⟩ Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen."
Der Weg des einzig Gerechten führt in die Vollendung, wo Gott einmal alles in allen sein wird (1Kor 15:28 / Eph 1:10).