Sonntag, 30. November 2025 · Bibelwissen
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Es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR.
Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die Jesus tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet?
Wenn ein Mensch den allmächtigen Gott in seinem Herzen erkennen darf, ist das immer eine große Gnade — und alles andere als selbstverständlich. Die Erkenntnis Gottes ist mehr als nur das Wissen, dass es diesen Gott gibt. Sie ist auch mehr als gespeicherte Informationen über die Charaktereigenschaften des HERRN. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten wussten sehr viel über Gott, weil sie den Tanach — das Alte Testament — gut kannten. Dennoch haben sie Gott in ihren Herzen nicht erkannt.
Dieses Problem gibt es bis heute. Sowohl im Judentum als auch im Christentum finden sich Gelehrte mit beachtlichem biblischem Wissen, die dennoch nicht zur wahren „Erkenntnis Jesu Christi" gelangt sind (Phil 3:8). In ihrer Selbsteinschätzung sehen sie das allerdings anders. Sie sind meist überzeugt, Erkenntnis Gottes zu besitzen, weil sie viel Wissen über ihn angesammelt haben.
Die Erkenntnis Gottes ist weniger eine Frage gespeicherter Informationen über ihn, sondern vielmehr eine Frage des Herzens (Jer 24:7). In Jeremia 31,31 kündigt der HERR einen neuen Bund an, der auf den Bund am Sinai folgt. In Vers 33 verheißt er:
"Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein."
Das zeigt: Gott selbst handelt und legt sein Gesetz in das Innere eines Menschen. Auch der Prophet Hesekiel kündigte diese „Herzenserneuerung" an, als er schrieb:
"Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben." (Hes 36:26)
Gott erfüllt diese Verheißungen nicht durch menschliche Anstrengung, sondern durch seinen Geist, den er den Menschen schenkt. Diese zeigt sich darin, dass man sein Leben dem Herrn Jesus Christus geschenkt hat und aus Liebe leben will — nicht aus gesetzlicher Pflichterfüllung, sondern aus tiefster Überzeugung (2Kor 5:14-15). Wer den Heiligen Geist in sich haben darf, kann den HERRN in seiner Liebe und Güte immer besser erkennen (1Kor 2:10-12). Wie es dazu kommt, beschreibt Jeremia im zweiten Teil des Losungsverses:
"Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken." (Jer 31:34b)
Die persönliche Erfahrung der Vergebung und das Erkennen, dass der HERR einem die Sünde nicht mehr anrechnet (Ps 32:1-2), führt zu einer Erkenntnis Gottes, die weit über das verstandesmäßige Erfassen seiner Eigenschaften hinausgeht.
Matthäus 21,14 berichtet, wie Jesus im Tempel Blinde und Lahme heilt — eindeutige messianische Zeichen (Jes 35:5-6). Doch die Hohenpriester und Schriftgelehrten freuten sich nicht darüber, weil sie Jesus hassten. Sie hassten ihn aus Eifersucht, weil er ihre falsche Frömmigkeit und ihren Hochmut entlarvte. Sie waren stolz auf ihre eigene Gerechtigkeit und fühlten sich besser als andere Menschen (Lk 18:9-14). Sie erkannten ihre eigene Sünde nicht und hatten darum auch keine persönliche Erfahrung mit der Vergebung Gottes gemacht. Für sie war die Barmherzigkeit Gottes ein abstrakter Begriff. Das merkte man schon daran, dass sie selbst keine Barmherzigkeit übten (Mt 23:23 / Lk 20:47).
Und dann das: Ausgerechnet die Unmündigen und Ungebildeten riefen im Tempel: „Hosianna dem Sohn Davids!" Die religiöse Elite empörte sich darüber und erwartete von Jesus, dass er die Kinder zum Schweigen bringe. Doch Jesus zitierte Psalm 8,3 und bestätigte damit ihren Lobpreis (Mt 21:16). Das dürfte die Empörung der Schriftgelehrten noch vergrößert haben.
Gott offenbart sich gerne den Kleinen, Unmündigen und Demütigen (Mt 11:25). Zu den Demütigen gehören auch diejenigen, die ihre Sünden erkannten und bekannten. Ihnen schenkt Gott seine wunderbare Vergebung (1Joh 1:9) — und dadurch erkennen sie auch die bedingungslose Liebe Gottes. Wahre Demut ist der Schlüssel zur Gnade und zur Erkenntnis Gottes (Jak 4:6). Dieses Handeln Gottes ist bis heute unverändert: Wo Menschen ihre Bedürftigkeit erkennen, dort öffnet Gott ihnen das Herz und lässt sie seine Vaterliebe erleben.
Darum bleibt die wichtigste Frage nicht: Wie viel weiß ich über Gott? Sondern: Lasse ich zu, dass er mein Herz erneuert und mich in die Freiheit seiner Liebe führt? (Gal 5:1)