Mittwoch, 28. Januar 2026 · Bibelwissen
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Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir!
Jaïrus bat Jesus sehr und sprach: Meine Tochter liegt in den letzten Zügen; komm und lege ihr die Hände auf, dass sie gesund werde und lebe.
Die Verse 2–15 aus Psalm 38 beschreiben eine unfassbare Not. Wenn ich versuche, mich gedanklich in dieses Leid hineinzuversetzen, wird mir selbst körperlich unwohl. Die hier beschriebene Tiefe der Not ist beinahe unerträglich. Es würde uns kaum wundern, wenn man aus heutiger Sicht von einer schweren depressiven Phase sprechen würde.
Derselbe David – der so heldenhaft den Riesen Goliath bezwang (1Sam 17) und über den die Frauen in Israel tanzten, sangen und sprachen: „Saul hat seine Tausende erschlagen und David seine Zehntausende" (1Sam 18:7) – lässt hier so tief in sein Innerstes blicken. In der antiken Königswelt gab es zwar auch andere Herrscher, die über irgendwelche Nöte – oder manchmal über eine persönliche Schuld – klagten. Doch im Gegensatz zu diesen war Psalm 38 kein Staatsgebet, sondern ein Tagebucheintrag einer verzweifelten Seele. Das war in jener Zeit äußerst selten.
In Psalm 22,2 beschreibt David das intensive Gefühl der Gottverlassenheit. Im heutigen Losungsvers bringt er hingegen die Angst davor zum Ausdruck. David stand am Rande der Hoffnungslosigkeit.
Eigentlich sind solche Texte „keine gute Werbung" für einen Gott, der die Liebe in Person ist (1Joh 4:8). Doch genau das zeigt die Stärke und Authentizität der Bibel: Sie beschreibt echte Menschen mit echten Problemen – und einen Gott, der trotz allem treu bleibt (2Tim 2:13). Das Wort Gottes enthält keine „Schönfärberei der menschlichen Existenz", sondern eine realistische Darstellung unseres irdischen Lebens – mit allen Facetten.
Wer das alles sieht, fragt sich vielleicht, warum David sich nicht enttäuscht von Gott abgewandt hat. Er hätte sich sagen können: „Es lohnt sich nicht, diesem Gott zu vertrauen, wenn er zulässt, dass ich so schwer leiden muss!" Doch David kannte seinen Gott mittlerweile so gut, dass er wusste: „Gott kann und wird mich retten, wenn ich ihm vertraue!" (Ps 34:5)
Diese Erfahrung des Wartens am Rand der Hoffnungslosigkeit begegnet uns nicht nur bei David, sondern auch im Neuen Testament. Das Beispiel von Jaïrus im heutigen Lehrtext zeigt genau diese Dynamik (Mk 5:21-43): Auch er stand am Abgrund der Verzweiflung, als seine zwölfjährige Tochter im Sterben lag. Seine einzige Hoffnung war, dass Jesus – der mittlerweile bekannte Lehrer, Prophet und Wunderheiler – noch rechtzeitig kommen würde, um sein todkrankes Kind zu heilen. Darum wandte er sich in dieser hoffnungslosen Situation an ihn.
Doch mitten im Gedränge kam es zu einer Verzögerung, die Jaïrus befürchten ließ, dass Jesus zu spät kommen könnte: Eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt, mischte sich unter die Menge. Das war ihr eigentlich verboten, denn sie galt als unrein (3Mo 15:25-27). Nachdem sie ihr gesamtes Vermögen an erfolglose Ärzte verloren hatte, blieb ihr nur noch eine Hoffnung: Wenn sie nur die Quaste (hebr. Zizit) seines Gewandes berühren könnte (Lk 8:44).
Die Zizit war ein sichtbares Zeichen der Bundestreue und der Zugehörigkeit zum Volk Gottes (4Mo 15:38-39). Dass ausgerechnet diese Frau sie berührte, zeigt: Sie klammerte sich im Glauben an Gottes Verheißung – und Jesus, der das Gesetz nicht nur hielt, sondern erfüllte (Mt 5:17), ließ diesen Glauben nicht unbeantwortet. Tatsächlich wurde sie durch diese Berührung geheilt.
Doch genau in diesem Moment brachte jemand aus dem Haus des Jaïrus die Hiobsbotschaft:
„Deine Tochter ist gestorben. Bemühe den Lehrer nicht!" (Mk 5:35)
Doch als Jesus das hörte, ermutigte er ihn:
„Fürchte dich nicht, glaube nur! Und sie wird gerettet werden." (Lk 8:50)
Als Jesus ins Haus kam und sagte, dass das Mädchen nur schläft, lachten ihn alle aus – sie wussten genau, dass das Mädchen gestorben war (Mk 5:39-40). Doch Jesus ergriff ihre Hand und sprach: „Mädchen, steh auf!" Ihr Geist kehrte zurück und sogleich stand sie auf (Mk 5:41-42).
Auch wir kennen solche Situationen, in denen Gottes Eingreifen auf sich warten lässt. Manchmal scheint es, als käme Jesus zu spät – und die Hoffnung stirbt leise in uns ab. Doch gerade dann gilt sein Zuspruch: „Fürchte dich nicht, glaube nur." Wer sich daran festhält, wird erfahren, dass Gottes Hilfe nicht ausbleibt, sondern zur rechten Zeit kommt (Ps 46:2 / Hebr 4:16).